Radhaus - Archiv: Fahrradklau
Bahnhof ist heißes Pflaster
Fahrradklau: Naumburg im Landkreis Spitzen- reiter - Polizei rät zu Bügelschlössern
von Constanze Matthes, Naumburger Tageblatt, 02.09.08
Naumburg. "Wenn man ein
gutes Fahrrad besitzt, hat man in Naumburg verloren." Zu dieser Erkenntnis kam Yvonne Rumpf,
nachdem ihr Mountainbike der Marke Cannondale mit blauem Rahmen und gelbem Sattel gestohlen wurde.
Ein schneller Gang in die Sparkasse am Topfmarkt, ohne ihr teures Stück abzuschließen, wurde der
27-Jährigen Mitte Juni zum Verhängnis. "Der Täter schmiss sein eigenes Fahrrad hin und nahm
meines. In so kurzer Zeit und trotz vieler Menschen vor Ort", erzählt die Naumburgerin weiter.
In Sachen Fahrradklau ist die Domstadt im Burgenlandkreis Spitzenreiter. Bereits in diesem Jahr
verzeichnete das hiesige Polizeirevier 111 Anzeigen, gefolgt von Weißenfels mit 103. Zeitz erscheint
dagegen mit 32 Fällen als fast sicheres Pflaster. Der Trend für den Burgenlandkreis ist laut Eva
Schiener, Sprecherin des Landeskriminalamtes, jedoch rückläufig: "Von August 2007 bis August
2008 verzeichneten wir einen deutlichen Rückgang."
Ganz anders dagegen Naumburg: "Hier ist die Zahl der Delikte deutlich
gestiegen", versicherte Polizeisprecher Jörg Bethmann. Vor allem der Hauptbahnhof ist ein
bevorzugter Tatort. Hier fanden allein 18 Besitzer ihren Drahtesel nicht wieder. Der Polizeisprecher
vermutet hinter den Delikten eine Form der Beschaffungskriminalität. "Die Fahrräder werden im
An- und Verkauf angeboten. Und wenn das Rad in Naumburg geklaut wurde und später in Merseburg
verkauft wird, war's das", so Bethmann. Banden, die kontrolliert die Städte nach wertvollen
Modellen abgrasen, verdächtigt er jedoch nicht: "Das glauben wir weniger."
Auffällig sei
jedoch, dass alle Fahrräder entweder gar nicht oder nur mit einem einfachen Seilschloss gesichert
waren. Leichtes Spiel für Diebe, die ein Schloss dieser Art in wenigen Augenblicken knacken können.
Die Polizei rät deshalb zu Kettenschlössern mit Sechskant-Kettengliedern oder Bügelschlössern und
zu jener Faustregel: Eine Sicherung gegen Diebstahl sollte zehn Prozent des Radpreises kosten. Eine
andere Möglichkeit, sich konkret am Naumburger Bahnhof vor Fahrradklau zu schützen, sind Boxen, die
angemietet werden können, bemerkt Matthias Keilholz von burgenlandrad.de. In einem guten Radgeschäft
sei es zudem Service, den Kunden über die Schlossauswahl zu beraten. "Wem bereits zweimal ein
teures Fahrrad gestohlen wurde, der wird kein drittes Mal ein gutes Modell anschaffen",
vermutet Keilholz. Die Aufklärungsrate der Polizei ist hierzulande gering. Nur Einzelfälle werden
gelöst, nur wenige Räder tauchen wieder auf. "Der größte Teil bleibt verschwunden", so
Bethmann. Nach Angaben des Landeskriminalamtes lag die Rate in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr
jedoch bei rund 25 Prozent. "Die Aufklärung ist schwierig. Die Räder werden oft ausgeschlachtet
und weggeworfen", so Eva Schiener. Yvonne Rumpf ist weiterhin auf der Suche. Obwohl die Polizei
die Rahmennummer erhielt und Fingerabdrücke sichern konnte.
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