Naumburg/RS. Die Hitze drückt auf den Marktplatz von Quedlinburg, wenige Menschen sitzen
in den Straßencafes. 54 Naumburger Radfahrer, nun zu Fuß, begeben sich auf
eine Stadtführung durch das größte Flächendenkmal der Republik. In der
folgenden Stunde erfahren sie so ziemlich alles über Fachwerk,
Diamantschliff und wie man den an den Häusern das Entstehungs-Jahrhundert
erkennt. Quedlinburg macht im Vergleich zu Weimar, Meißen oder Görlitz einen
eher verschlafenen Eindruck. Hier pulsiert das Leben nicht, aber
wahrscheinlich hat dieser subjektive Eindruck eher mit den hochsommerlichen
Temperaturen zu tun.
Vierundzwanzig Stunden zuvor hatte es hier und im Selketal starke
Gewittergüsse gegeben. Überall entlang der Route, die 40km vor Quedlinburg
oberhalb von Mägdesprung in Sternhaus begann, konnte man an den Pfützen und
auch an der rauschenden Selke sehen, was für ein Regeninferno geherrscht
haben musste. Nun aber war alles sonnig und in den ersten zwei Stunden
angenehm schattig, da die Fahrt meist hinab durch Wälder und Auen ging.
Radfahren light war fürs Erste angesagt. Als Bikeguard hatten die
Radtouristiker von burgenlandrad.de einen Kollegen aus Quedlinburg
engagiert: Heinz Luther übernahm von Anfang an die Führung und hatte zu
jedem und allem interessante Geschichten parat. Einmal sah man die Burg
Falkenstein im Hintergrund, Schauplatz mehrerer Defa Filme - geheimnisvoll
und neblig verhangen überragte sie das Selketal. Auch dazu wusste der
Radprofi lustige wie spannende Geschichten.
Nach dem Mittagessen auf der Terrasse von Schloss Meisdorf, das ein
Parkhotel der Van der Valk Kette ist, gab es in dem Ringbauernhof Möhring
viele alte landwirtschaftliche Werkzeuge zu besichtigen. Aber als
eigentliches Kleinod entpuppte sich die Dorfkirche Meisdorf mit seinem
imposanten Hochaltar und Kirchenschiff aus der Zeit nach dem 30jährigen
Krieg. Der Vorsitzende des hiesigen Vereines, Herr Donner, zeigte sich
überrascht über die Größe der Gruppe, die seinen Erzählungen lauschte.
Weiter ging es Richtung Ballenstedt und es durfte zum ersten Mal an diesem
Tag geschoben werden. Frau Henschel, die älteste Teilnehmerin in der Gruppe
rief: "Herr Steinmeyer, Sie hatten doch versprochen, es gäbe keine Anstiege
wie bei der ersten Tour!" Und die gab es auch wirklich nicht, es wechselte
nur etwas zwischen Auf und Ab und schnell war der Schlosspark von Ballenstedt
erreicht. Hier hätte man gerne länger verweilt, was folgte war nun eine
etwas staubige Piste und die hatte auch ihre Tücken. Gleich drei Plattfüsse
auf wenigen Kilometern brachten die Gruppe etwas aus dem Zeitplan, aber die
Schläuche wurden dennoch in Schnellstzeit gewechselt - den Pannendienst hatte
man ja dabei. Nach gut 6 Stunden erreichte die Gruppe Quedlinburg und 13
Stunden nach Abfahrt wieder Naumburg, das ähnlich schön wie die Harzer Orte
im Abendlicht vor den "Zeitreisenden" lag.
Wir danken dem Sponsor der Zeitreisen, der Sparkasse im Burgenlandkreis,
wie auch den Partnern dieser Zeitreise, der PVG im Burgenlandkreis,
Radtouren Luther und dem Fahrradverleih Meyer, dem Parkhotel Schloss Meisdorf
wie der Quedlinburg-Information.