Naumburg/RS. "Dass es hier so grün ist, das hätte ich nie im Leben gedacht!" oder "das
ist ja wie eine Radtour an der Donau" waren zwei überraschte Aussprüche der
15 Teilnehmer der letzten dreitägigen Zeitreise in das Ruhrgebiet. Immer
noch hat die ehemalige Industrieregion gegen das Vorurteil
dreckig-laut-stinkend zu kämpfen. Aber überall wuchert fast schon das Grün,
und auf den vielen Radwegen, die teilweise auf ehemaligen Eisenbahntrassen
entstanden sind, kann man stundenlang fernab der großen Straßen ruhig und
naturnah Fahrrad fahren. Die ehemaligen Zechen, Fabriken und Stahlwerke sind
teilweise zu Museen und Kulturstädten umgebaut worden und im Rahmen von
Förderprogrammen nicht erst seit der Kulturstadt 2010 Vorbereitungen
restauriert worden. Der Umbau zu einer einzigartigen Parklandschaft dauert
schon Jahrzehnte an und die Natur holt sich die Metropole zurück. So scheint
es jedenfalls beim Blick auf das gesamte Panorama des "Kohlenpotts" vom 60
Meter hohen Tetraeder bei Bottrop, der auf einer 90 Meter hohen Halde
thront. Am Horizont die Skyline von Essen, wo man 2 Stunden zuvor
losgeradelt war und das nun in der Ferne wie eine Insel die grünen Wipfel
überragt.
Dass immer noch über 5 Millionen Einwohner hier leben, spürt man nicht und
auch die Loveparade, die zeitgleich in Dortmund statt findet scheint keinen
Einfluß auf die Dichte zu haben. Eher das Aprilwetter. Bei der ersten Tour
am Freitag über 40 Kilometer von der Zeche Zollverein, an Kokereien und dem
größten Gasometer der Welt in Oberhausen vorbei nach Duisburg ist es grau
und trocken. Am zweiten Tag bei der Radtour entlang der Ruhr über 80
Kilometer von Herdecke bis zur Kruppschen Villa Hügel, oberhalb des
Baldeneysees in Essen, kommt schon mal blauer Himmel dazu. So ist der
breitausgebaute Radweg entlang der Ruhr nicht übervölkert und es geht durch
Auen, auf denen die Radfahrer einmal sogar von einer Herde Kühe ausgebremst
werden. Man setzt mit einer kleinen Elektrofähre über, besucht eine
Burgruine oder fährt in einen kleinen Bergwerksstollen ein. Ein
abwechslungsreicher Tag, vorbei an Sandstränden und Sandburgen, von einem
Biergarten zum anderen. Dann mal wieder kurz unter einer Brücke vor einem
Gewitter Schutz suchen und wenig später lugt die Sonne wieder durch den
Himmel.
Soviel Glück hat die Gruppe am dritten Tag nicht. Diesmal geht es am
Dortmunder Ems Kanal entlang an den Rand des Münsterlands. Noch am 100 Jahre
alten Schiffshebewerk Henrichenburg bei Dortmund läuft alles nach Plan, aber
dann zieht eine Regenwolke auf der gleichen Route und nach einer Stunde wird
der PVG Bus mit dem man ins Ruhrgebiet gereist war, zur Zeche Waltrop
umgeleitet. Klitschenaß aber glücklich begrüßen die Radler "ihren" Busfahrer
Roberto Seidel, der schon im Jahr zuvor bei der mehrtägigen Zeitreise nach
Görlitz dabei war. Schloß Cappenberg wurde nicht mehr erreicht, aber übers
Netz googleten die beiden Organisatoren der burgenlandrad.de schnell einen
Landgasthof in der Nähe von Werl, wo man zum Mittagessen einkehrte, um dann
die Rückfahrt nach Naumburg fort zu setzen. Dort angekommen stellt man fest:
gar nicht so grün hier.
Der Dank geht an die Sponsoren der Zeitreisen, die Sparkasse im
Burgenlandkreis und die PVG im Burgenlandkreis. Die nächsten beiden
Zeitreisen am 3. August nach Meißen und am 7. September von der Goitzsche in
die Dübener Heide sind mittlerweile ausverkauft.