
Naumburg/RS. Das ehemalige Kurstädtchen
Rastenberg ist ein kleines
Juwel, und würde es neben
Naumburg liegen, beide Städte
würden sich sicher gern gegenseitig
eingemeinden. So feiert Rastenberg
ebenfalls ein Kirschfest -
ziemlich genau einen Monat später
-, und der Roland im Stadtwappen
könnte auch, so meinen einige Historiker,
der Wenzel sein. In das thüringische
Rastenberg führte die
jüngste der vom Naumburger Tageblatt/
MZ und burgenlandrad.de
veranstaltete Zeitreise-Radtour.
Dazu gab es persönliche Bezüge
und Erinnerungen bei den Teilnehmern
der Zeitreise. Annemarie
Wetzel erinnerte sich an ihre
Arbeit in einem Kinderheim vor
über 30 Jahren, welches sie fast unverändert
wiederfand. Auch zuvor,
bei der ersten Rast in Steinburg, erinnerten
sich zwei Radler, wie sie
beim Bau des Zementwerkes Karsdorf
III im Schloss zu Steinburg
untergebracht waren. Selten kommen
Naumburger in die Randgebiete
dieser Region. Mit dem Fahrrad
jedoch haben sie genügend
Zeit, diese Reise in die jüngere Vergangenheit
zu begehen. Begonnen
hatte die Radtour in der Nähe von
Bad Bibra. Der PVG-Bus und der
Radhaus-Pannendienst vom Typ
Volvo hatten 46 "Zeitreisende"
samt ihren Fahrrädern in Steinbach
abgesetzt, von wo am Gutschbach
entlang über Borgau nach
Steinburg gefahren wurde.
In Billroda fand das Dorffest statt.
Die Radler wurden mit Erbsensuppe
und kühlen Getränken an diesem
heißen, wenn auch leicht bewölkten
Sonntag verköstigt. Unterhalb
des Kläfferbergs, wo bis vor einem
halben Jahrhundert Kali abgebaut
wurde, war die nächste kurzen
Rast im "Waldfrieden" zum Eisessen.
Dann ging es bergab durch
ein Waldgebiet nach Rastenberg.
In der Heimatstube tauchten die
Teilnehmer in die Geschichte dieser
kleinen Stadt ein, deren schmucke
Villen und das Waldschwimmbad
im Jugendstil von den besseren
"guten Zeiten" erzählen. Ziel dieser
Radtour war Buttstädt, wo die
Gruppe auf dem alten Friedhof von
Herrn Reiche empfangen wurde,
der über die Geschichte dieses seltenen,
im Stile eines italienischen
Campo Sancto erbauten Friedhofs
erzählte, über die durch den Pferdemarkt
reich gewordenen Buttstädter,
die sich im 16. bis 18. Jahrhundert
diese aufwendige Anlage
leisten konnten. Da an diesem Wochenende
gerade der Pferdemarkt
gefeiert wurde, konnte sich die
Radlergruppe etwas enttäuscht davon
überzeugen, was heute davon
übrig geblieben ist. Eine ärmliche
Kirmes mit Playback-Sängerin auf
der Bühne, umrandet von Marktständen
mit Billigangeboten. Da
sind die Naumburger durch das
Kirschfest mit seiner Peter-Pauls-
Messe und dem Hussitenlager
doch eher verwöhnt. Mit der Finne-
Radtour, bei der aus Zeitgründen
auf einen Abstecher nach Marienthal
verzichtet wurde, haben
Naumburger Tageblatt/MZ und
burgenlandrad.de als Zeitreisen-
Veranstalter nun für fast alle Nahziele
um Naumburg geführte Radtouren
veranstaltet. Das Zeitzer
Umland mit Hohenmölsen und
dem Mondsee, thematisiert durch
den Braunkohleabbau, wird das
Programm im kommenden Jahr abrunden.
Für die Zeitreise "Von Bitterfeld
in die Dübener Heide" zum
Preis von 30 Euro sind noch Plätze
frei. Die Veranstalter danken der
Sparkasse Burgenlandkreis und
der PVG Burgenlandkreis für die
Unterstützung.