Naumburg/RS. Eine Zeitreise mit dem
Naumburger Tageblatt zeichnet
immer aus, dass es a) nicht regnet
und b) es dafür an Gewässern entlang
geht. Dass ein Gewässer bei
der Leserreise am vergangenen
Sonntag aber niemals mit Wasser
gefüllt war, sollte eine ganz neue
Variante dieses Themas sein.
In Kreypau, nördlich von Leuna,
besichtigten 25 Naumburger ein
monumentales Betongebäude, dessen
Vollendung in den letzten
Kriegsjahren 1943 abgebrochen
wurde. Es handelt sich um eine
Schleusentreppe für den nie vollendeten
Saale-Elster Kanal, die einsam
und verlassen aus dem wuchernden
Grün ragt.
Im Streckenverlauf konnte man
mit diesem Wissen das ursprünglich
geplante Kanalbecken bis zur
Saale weiter verfolgen. In den Ölkrisenzeiten
1974 plante man
nochmals, dieses fehlende Teilstück
des Saale-Elster-Kanals zu
vollenden, wie der Historiker des
gleichnamigen Vereins, Gerd Becker,
bei einem Rundgang zu berichten
wusste. Man darf gespannt
sein, wann und ob solche Pläne
wieder ausgegraben werden.
Weiter ging es nach Bad Dürrenberg,
das Dank der Nähe zu Leuna
schon lange seinen Kurstatus verloren
hat, aber mittlerweile zumindest
als Luftkurort wieder anerkannt
wurde. Vorbei am Borlachturm
wartete auf die Gruppe eine
Führung auf dem Gradierwerk, das
mit fast 700 Metern das längste seiner
Art in Europa ist. Nach so viel
Höhenluft erwartete die Gruppe
dann direkt neben diesem imposanten
Gebäude im Kurpark ein
Mittagessen. Auf fast verlassenen
Nebenstrecken radelte man nach
Lützen, immer in Richtung Cospudener
See, dem Tagesziel dieser
Zeitreise. Der Wechsel in den Burgenlandkreis
fiel nicht sehr auf, die
Straßen waren alle gut asphaltiert.
Eher überrascht war man, wieder
im Burgenlandkreis zu sein. Richtig:
mit der „Eingemeindung“ des
Kreises Weißenfels gehört die Gedenkstätte
König Gustav Adolfs
auch zu „uns“. In Meuchen folgte
eine Rast an der Kirche, wo der
Schwedenkönig damals nach der
verlorenen Schlacht aufgebahrt
wurde. Auf dem Weg nach Meyhen
erreichte man den Leipziger Kreis.
Welch ein Kontrast. Mit dem Schild
„Auf Wiedersehen im Burgenlandkreis
“ wechselte die Straßendecke
zu Holperpflaster, gefahren wurde
auf einer engen Grasnabenspur.
Kühe lagerten auf den Wegen, Ziegen
waren an Bäumen angeflockt,
die Gehöfte machten einen oftmals
verlassenen Eindruck.
Der Speckgürtel der Großstadt
Leipzig ist im Raum Markranstädt
schwerlich auszumachen. Das änderte
sich erst nach zweimaligen
Überqueren der A 38 bei Markkleeberg
kurz vor dem Vergnügungspark
Belantis. Und an der Marina
am Cospudener See endlich konnte
man dann die Nähe zum Einzugsgebiet
Leipzig spüren: Bei einem
Glas Gose, einem obergärigen Bier
mit Gewürzkräutern - angeblich
das Leipziger Spezialgetränk -, hatte
man einen schönen Ausblick auf
fast mediterranes Treiben. An einem
Restaurant wurde sogar mit
Mitternachts-Frühstück geworben.
Mit Blick auf die Segelschiffe am
Hafensteg saßen Ausflügler gemütlich
im Strandkorb, schleckten ein
Eis und ließen die Seele baumeln.
Wäre schön, die Marina am Geiseltalsee
würde bald auch solch ein
Strandleben mit vielfältigen Gastronomieangeboten
bieten. Da
brauch man gar nicht in die Ferne
schweifen. Und schöne Radrouten
finden sich überall.
Dank an dieser Stelle dem
Hauptsponsor der Zeitreisen, der
Sparkasse im Burgenlandkreis,
wie auch der ÖSA und der PVG.
Die nächste Zeitreise findet am
21. Juni statt und führt von Isserstedt
nördlich von Jena über die
Schlachtfelder von 1806 zu den
Dornburger Schlössern. Weiter
geht es dann auf dem Saale-Radwanderweg
nach Naumburg. Gebucht
werden kann wie immer in
der Geschäftsstelle des Naumburger
Tageblatts in der Salzstraße.