Naumburg/RS. Wo vor mehr als 200 Jahren Napoleon unbemerkt von den Preußen Kanonen und
55.000 Soldaten den Landgafenberg hinauf trieb, fährt nun der Magical
Mystery Tour Bus der PVG die 17 % steile Strecke durch das Rautal nach
Closewitz und Cospeda, nördlich von Jena. Auf der Höhe, wo am 14. Oktober
2006 bei nebligen Wetter europäische Geschichte geschrieben wurde, ist es
nun nicht neblig, aber es regnet auch nicht wie auf der Fahrt von Naumburg
her. 30-35.000 Soldaten sind damals im Verlauf eines Tages zwischen Jena und
Hassenhausen gestorben . Ein trauriges Stück Heimatgeschichte, das das Leben
in Naumburg ebenfalls dramatisch verändern sollte.
Und so führt diese Zeitreise nicht in die Toskana des Nordens, sondern
salopp gesagt, in die Toskana des Mordens. Im Museum von Cospeda wird die
Gruppe von Holger Nowak erwartet, Direktor der städtischen Museen in Jena
und Herausgeber vieler Publikationen zu der Doppelschlacht von Jena und
Auerstedt. Er hatte sein Fahrrad mitgebracht und führte die 26 köpfige
Gruppe sehr einfühlsam an den Stationen der Geschehnisse dieses 14.
Septembers entlang und alle wunderten sich, wie so viele Menschen auf so
wenig Quadratkilometern zwischen Clauswitz, Krippendorf und Vierzehnheiligen
Platz finden konnten.
Lehrreich die Kette von Fehlern, die aus Selbstüberschätzung, falschen
Informationen und verfehlten Eitelkeiten auf preußischer Seite gemacht
wurden. Ein geschichtliches Lehrspiel, das, läßt man sich darauf ein,
spannender nicht sein kann. Nach der Mittagspause bei Nerkewitz ging die
Fahrradtour weiter zu den Dornburger Schlössern. Die Bewölkung riss auf,
blauer Himmel tauchte das Ensemble der drei Schlösser oberhalb der Saale in
freundliche Farben. Die vielen Rosen - Dornburg feiert übrigens parallel zu
unserem Kirschfest am kommenden Wochenende sein Rosenfest - lassen das
Rokokoschloss und seinen Park als Märchenschloss erscheinen. Krieg und
Frieden kommentierte eine Teilnehmerin diesen Wechsel zu den schönen Dingen
des Lebens. Matthias Keilholz von der burgenlandrad.de rezitierte Goethe
Gedichte und es folgten Erzählungen aus dem Leben des Dichterfürsten, die
von den persönlichen Kriegswirren über die Besuche in Naumburg bis zu dem
fast 10 wöchigen Aufenthalt auf den Dornburger Schlössern im Jahre 1828
reichten.
Danach ging es auf den Saale Radwanderweg, der sich auf dem Teilstück bis
Naumburg bekannter weise äußerst idyllisch präsentiert - vorausgesetzt man
folgt bei Camburg nicht der Ausschilderung, sondern wechselt dort die Saale
Seite. Im Weingut Zahn bei Kaatschen kehrte die Gruppe am späteren
Nachmittag auf einen Schoppen ein. Um die gesperrten Brücken bei Saaleck,
die die Region in diesem Sommer von den radtouristischen Massen
abschneidet, musste man sich nicht kümmern. Der Bus wartete in
Kleinheeringen zur Rückfahrt nach Naumburg.
Dank an dieser Stelle dem Hauptsponsor der Zeitreisen, der Sparkasse im
Burgenlandkreis, wie auch der ÖSA Sachsen Anhalt und der PVG im
Burgenlandkreis.
Die nächste Zeitreise findet am 5. Juli statt und führt von der Vitzenburg
durch den Ziegelrodaer Forst zur Himmelsscheibe bei Wangen. Von dort aus
geht es weiter zur Kaiserpfalz in Memleben. Buchen können Sie wie immer in
der Geschäftstelle des Naumburger Tageblatts in der Salzstrasse.