
"Alles ist viel
weiter und höher, als es Ihnen erscheint!" Hoch über dem entstehenden Geiseltalsee blicken 50
Tageblatt Leser 80 Meter vom Weinberg hinab auf die in der Sonne blinkende blaue Wasseroberfläche.
Gerade noch mit den Fahrrädern auf staubigen Pisten die ehemalige Braunkohlehalde hinaufgefahren,
sitzen die Teilnehmer der 1. Zeitreise in diesem Jahr nun gemütlich bei einem Schoppen Wein
zusammen. Winzer Rolf Reiffert erzählt über die Besonderheiten in diesem nördlichsten Weinberg der
Region. "Wir haben Bedingungen, die sind besser als am Bodensee. Der steile Hang in
Verbindung mit der spiegelnden Wasseroberfläche läßt die Weinreben doppelt so schnell wachsen wie
anderswo."
Wenig später am nächsten Aussichtspunkt direkt am See blickt die Gruppe nochmal zurück und ist
erstaunt, wie weit oben man wenige Minuten zuvor gesessen hat. Nächstes Ziel ist das Besucher- und
Informationscenter "Marina Mücheln", wo der Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH,
Thomas Weiß schon 50 Bratwürste auf den Grill gelegt hat. Auch er spricht wie zuvor Winzer Reiffert
in Steigerungsformen, von Dimensionen, die diese Region in Zukunft verändern werden. Das Fundament
der Hafenanlage sei schon fertig, mit dem Bau der ersten Gebäude wird noch in diesem Sommer begonnen.
Ende nächsten Jahres werden auf 18 ha Boots- und Ferienhäuser, Wasser- und Landliegeplätze das
Zentrum für Freizeit und Sport bilden. Noch fehlen dem See gut 10 Höhenmeter bis zur schon fertigen
Kaimauer. "Aber das Wasser steigt schneller als erwartet", weiß er zu berichten. Geflutet
wird der Geiseltalsee nicht allein durch das kleine Bächlein Geisel, sondern mit Saalewasser, das
bei Frankleben wie ein kleiner Geysir an die Wasseroberfläche tritt. Noch ist der See nicht ganz
bedeckt, an einem Überlauf machte die Radlergruppe am Nachmittag Rast, wohl wissend, dass man in
vielleicht einem halben Jahr dort nicht mehr trockenen Fußes hingelangt.
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Der älteste Teilnehmer der Leserreise, der 80 jährige Hans-Dietrich Müller aus Freyburg freute sich,
nach so vielen Jahrzehnten das ehemalige Braunkohlegebiet so verändert vorzufinden. Gleichwohl
stellte er fest, dass er sich mit den Strapazen der Fahrradtour etwas überschätzt hätte. Begonnen
hatte die Tour am Vormittag an dem Wahrzeichen von Langeneichstädt, der Warthe. Unmittelbar neben
dem 15 Meter hohen mittelalterlichen Wachturm bestaunte die Gruppe das freigelegte frühsteinzeitliche
Steinkammergrab, mit der Himmelsscheibe und dem Gosecker Sonnenobservatorium das archäologische
"Dreigestirn" in der Region. Teilnehmer Jörg Kreutzer fand eine Lehmplatte mit Gravuren
und stellte zur Belustigung aller Vermutungen an, ob es sich dabei vielleicht um eine
Steinzeitausgabe des Tageblatts handeln könne.
Aber nicht nur der Geiseltalsee war Ziel der Reise. In Mücheln bog man vom See ab, um auf schattigen
Wegen an vier alten Wassermühlen zur Quelle der Geisel, dem Namensgeber des Tales zu gelangen. So
entging man nicht nur der Mittagssonne, sondern fand in den Vororten St. Ulrich mit seinem
Wasserschloss wie auch in St. Micheln mit vorzüglicher Eisdiele Abwechslung und eine idyllische
Bachlandschaft vor. Nicht wenige, die Mücheln nur von Durchfahrten her kennen, waren von dieser
wunderschönen Lage überrascht.
So hörte man des Öfteren als Lob an die Organisatoren der Tour, Ralph Steinmeyer und Matthias
Keilholz von der burgenlandrad.de, dass man wohl alleine nie auf die Idee gekommen wäre, solch eine
abwechslungsreiche Route zu befahren. Bei Kaffee und Kuchen in der Gaststätte Neumark in der Nähe
von Braunsbedra stellte sich dann heraus, dass es für über ein viertel der Mitfahrer schon die
Vierte von fünf Zeitreisen war. Sie erhielten die roten T-Shirts mit dem Zeitreise Logo, die der
Hauptsponsor, die Sparkasse im Burgenlandkreis mitgebracht hatte. In Frankleben wartete dann der
Bus des 2. Sponsors, der PVG Burgenlandkreis - 9 Stunden nach Abfahrt endete die 1. Zeitreise wieder
da, wo sie begonnen hatte - am Naumburger Hauptbahnhof.